tl;dr #63 Ernst Bloch: «Erbschaft dieser Zeit» | Mit Jan Rehmann
Warum lassen sich Menschen von autoritären Bewegungen begeistern? Welche Rolle spielen Mythen und Hoffnungen dabei? Und weshalb greift eine rein ökonomische Erklärung gesellschaftlicher Krisen oftmals zu kurz?
In „Erbschaft dieser Zeit“ (1935) versucht Ernst Bloch, den Aufstieg des Nationalsozialismus zu verstehen. Seine zentrale These lautet: Menschen leben zwar zeitlich gesehen in derselben Gegenwart, haben jedoch unterschiedlichen Zugang zu Fortschrittsprozessen. Ein Phänomen, das Bloch „Ungleichzeitigkeit“ nennt.
Damit kritisiert Bloch auch einen Marxismus, der kulturelle und emotionale Bedürfnisse unterschätzt. Denn wer Hoffnungen, Mythen und den Wunsch nach Gemeinschaft ignoriere, überlasse sie den Rechten.
Die Vergangenheit will Bloch nicht nur als Ballast verstehen, sondern als „Erbschaft“: Sie enthalte unerfüllte Hoffnungen und utopische Bedürfnisse, die für eine progressive Politik wieder aktiviert werden können.
In der neuen Folge unseres Theorie-Podcasts diskutiert Alex Demirović mit dem Sozialwissenschaftler und Philosophen Jan Rehmann, inwiefern Blochs Analyse der Ungleichzeitigkeit sowie seine Kritik an der Fantasielosigkeit der Linken sich in die Gegenwart übertragen lassen.
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