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00:00:02: Hallo, ich begrüße euch zum Theorie-Podcast der Rosa Luxemburg Stiftung.

00:00:21: Mein Name ist Alex Demirovich und heute in dieser Episode wollen wir uns mit einem Text von Clara Zetkin beschäftigen, der auf einer Rede einen Vortrag beruht Arbeiterinnen und Frauenfrage der Gegenwart.

00:00:36: von Clara Zetkin gehalten in Paris, eightundneinachtzig auf ein Parteitag.

00:00:43: Auf dem dann auch die zweite Internationale gegründet wurde.

00:00:48: Clara Zettkin ist am fünften siebten achtzehnundfünfzig in Widerau geboren einem kleinen Ort, der charakterisiert ist durch viele Frauen, die dort eben Heimarbeit, also gearbeitet haben bei der in der Textilfertigung.

00:01:09: Die Eltern sind mit Clara Zetkin und den Geschwistern, die nach Leipzig gezogen waren.

00:01:16: Ein Grund war, dass es dort die besseren Ausbildungsmöglichkeiten für Kinder gab.

00:01:22: Das ist auch für Clara dann wichtig geworden weil sie damit die Möglichkeit erhielt eine Lehrerin Ausbildung als Fremdsprachenlehrerin zu erhalten, also ein eher ungewöhnlicher Bildungsweg.

00:01:38: Sie selbst ist geboren als Clara Eisner.

00:01:42: den Namen Zetkin hat sie später von ihrem Lebensgefährten angenommen Der zur Volkstümler Bewegung gehörte.

00:01:50: ihn, lernte sie während des Studiums in Leipzig kennen ist dann mit ihm nach Paris gezogen.

00:01:55: Geheiratet hat sie ihn nicht weil sie nicht wollte dass die beiden Söhne die Sie gemeinsam hatten ihre deutsche Staatsangehörigkeit verlieren würden.

00:02:06: Zettgen ist mit Klied der SPD geworden seit In den Vorstand der SPD gewählt bis zehnzehnt, also bis praktisch sie als Mitglied der Spartakusgruppe in die unabhängige sozialistische Partei Deutschlands eingetreten ist.

00:02:31: Die USPD in diesen Jahren dazwischen gab es viele Ereignisse war sehr aktiv in der Politik.

00:02:38: Also Sie ist kurz nach dem Sozialistengesetz nach Paris exiliert eben mit ihrem Lebenspartner aus dem Zettgen und lebte dann dort, ja also unter teilweise ausgesprochen ärmlichen Bedingungen.

00:02:53: Also so dass ihr auch dann zwischendurch die Wohnung verloren haben.

00:02:57: sie schreibt es auch an Freunde wie schwierig die Lebensverhältnisse waren.

00:03:01: In der Achtzehnteinundneunzig nachdem Ihr Partner gestorben war und das Sozialistengesetz aufgehoben wurde siedelte sich mit den zwei Söhnen Buch bei euch Stuttgart und wurde dann eben auch in der SPD nachtrücklicher noch aktiv, insbesondere in Fragen der Frauenpolitik.

00:03:25: Die Grundlage dafür ist dann eben der Text zu Arbeiterinnen- und Frauenfrage von acht zu neun achtzig indem sie sich ausgiebig mit den Fragen der wirtschaftlichen und politischen Situationen der Rechte der Frauen Bevor ich darauf eingehe, noch ein paar Bemerkungen zu den weiteren biografischen Stationen.

00:04:05: deren Sekretärin.

00:04:07: bei einem der Konferenzen dieser Internationale setzte sie sich auch für einen internationalen Frauentag ein, der tatsächlich dann auch verwirklicht wurde.

00:04:19: Das, was wir heute noch feiern den achten März.

00:04:23: Also geht auf Sie und eine Freundin aus der SPD kälte Dunka zurück.

00:04:28: in konflikt massiven Konflikt kam sie mit den reformorientierten Sozialdemokraten und dann insbesondere bei der Bewilligung der Kriegskredite.

00:04:39: Sie war entschieden gegen einen Angriffskrieg.

00:04:42: In fünfzehn war sie beteiligt an einer internationalen Konferenz sozialistischer Frauen gegen den Krieg und nahm begeistert die russische Revolution auf.

00:04:56: Das führte eben dann auch zur Bildung der Sparta Kursgruppe, mit der Spata Kurskruppe der Wechsel in die USPD also die unabhängigen Sozialisten.

00:05:06: Dann wurde sie, also sie war wie Rosa Luxemburg mit der sie dann eng befreundet war über viele Jahre.

00:05:13: War sie Teil der Gründungsgruppe der KPD und wurde auch für die KPD in den Reichstag gewählt.

00:05:21: da war sie Abgeordnete von neunzehntzwanzig bis neunzonehntreiunddreißig.

00:05:28: Was ich finde, was ein bisschen witzig ist, ist dass sie eben während eines großen Teils dieser Zeit auch gleichzeitig im Exekutivkomitee der kommunistischen Internationale war.

00:05:40: Also dem Generalstab der Weltrevolution wenn man so will und eben Reichstagsabgeordnete.

00:05:47: Das ist ja irgendwie ein bisschen ironisch.

00:05:50: sehr, sehr viele Veröffentlichung von ihr Vorträge reden.

00:05:54: Kleine Texte und sie sind auch gekennzeichnet durch eine große Vielfalt.

00:05:59: darunter gehört auch schon sehr früh, neunzehnundtreinzwanzig einer Analyse des Faschismus.

00:06:06: mit dieser Analypse tritt sie dann auch bestimmten Positionen der Dritten Internationale entgegen oder den Diskussion in KPD oder Kommunizierpartei Russland.

00:06:19: also da war sie sehr offen und undogmatisch, muss man sagen.

00:06:23: Aber es gibt auch gute Gründe, warum sie in der Sekundärliteratur manchmal als autoritär gekennzeichnet wird.

00:06:32: Also Sie war durchaus dafür dass Sinovier von Trotsky ausgeschlossen werden.

00:06:38: Da äußert sich ziemlich kalt und sie war auch selbst Anklägerin in einem der Schauprozesse gegen sozial-revolutionäre also als Anklägerin und plädierte für die Todesstrafe.

00:06:55: Also manchmal hat es auch wirklich sehr ambivalente Züge.

00:07:05: Wenn man die Schrift, um die es geht diesen Vortrag und diese Ausarbeitung nimmt dann ist das schon ein Hinweis auf die Wichtigkeit eben der Frauenfrage dass sie sehr entschieden für die Rechte der Frauen eingetreten ist.

00:07:27: Da gibt es aus meiner Sicht auch eine gewisse Ambivalenz, manchmal hat sie konventionelle Züge aber manchmal kommt das auch schon zu sehr avancierten Positionen also auch darin wenn man will... Also eine gewissen Ungleichzeitigkeit.

00:07:44: was originell an dem Ansatz ist von Clara Zettkin und durchaus innovative Züge hat, ist dass sie eben deutlich macht das die Frauenfrage etwas ganz Neues ist aufgrund der kapitalistischen Entwicklung.

00:08:01: Das heißt für Sie setzt mit dem Kapitalismus und der Entwicklung moderner Produktionsmoteoden ein völlig neues geschlechter Verhältnis ein.

00:08:11: also da wendet sich gleich zu Beginn schon auch entschieden gegen die Tradition sozialdemokratischen Arbeiterbewegungen, für die eigentlich die Forderung galt dass die Frauen nicht arbeiten sollten sondern zu Hause bleiben.

00:08:30: Und dagegen wendet sich Clara Zettkin mit diesem Vortrag sehr entschieden und macht eben deutlich das über die Jahrtausende Frauen unter patriarchalen Verhältnissen als Klawinnen gelebt haben im Haushalt Nur für Arbeit, also als Hausarbeitsklavien gesehen wurden und jetzt eben mit der Entwicklung der kapitalistischen Eigentumsverhältnisse, der neuen Produktionsmethoden so etwas möglich wird wie eine Emanzipation.

00:09:04: Also ein Heraustreten der Frau aus diesen klaren Verhältnissen.

00:09:09: Damit rückt sie ins Zentrum ihrer Überlegung etwas, was wir in einem anderen Podcast auch bei Simone Beauvoir schon gehört haben.

00:09:18: Das eben die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Frau also die Arbeit ja.

00:09:23: Also Die Grundlage ist auch für eine eigenständige Lebensplanungen eigene Perspektiven die Frauen entwickeln können Und damit nicht mehr abhängig ist von einem Familienernährer, also dem Mann und Frauen dadurch nicht reduziert werden können auf bloße Hausfrauen.

00:09:47: Also die eben ihr Leben im Haushalt verbringen und dieses Sklaven, wie sie das immer wieder anspricht, Sklavinarbeit vollführen.

00:09:56: Das ist sozusagen eine Verlagerung da ist es sehr klar der Sklaverei vom Mann Partner, dem Ehemann hin zur Sklaverei in der Fabrik im Betrieb.

00:10:09: Also jetzt ist sozusagen der Gegner der Kapitaleigentömer und das ist so eine Art Intersektionalitätsthese die sie da hat dass die Frauen jetzt eben gemeinsam mit den Männern gegen das Kapitalverhältnis kämpfen.

00:10:27: darin sieht sie auch den Unterschied zu bürgerlichen Frauenbewegung dieser Zeit, die sie kritisiert.

00:10:34: Weil sie eben ihrer Meinung nach nur an Rechte denkt oder an kulturelle Teilhabe also die Zahl der geschriebenen Romane ist macht sich dann mal zwischendurch lustig darüber.

00:10:48: ja und ihr geht es darum dass proletarische Frauenbewegung diese Arbeitsverhältnisse in den Blick nimmt.

00:10:56: Das bedeutet für sie, also ein Teil des Vortrags und des Textes geht eben darum deutlich zu machen dass die Frauen, die erwerbstätig werden dann in der Fabrik arbeiten als sogenannte Schmutzkonkurrenz kritisiert werden von der Seite der Arbeiter, also dass eben die Frauen gar nicht in die Berufsteiligkeit gehen.

00:11:21: Weil das eben bedeuten würde ein größeres Angebot an Arbeitskräften eine Senkung der Löhne für die männlichen Erwerbstätigen.

00:11:32: und da argumentiert sie eigentlich schon so, dass sie sagt naja... Die Berufstätigwerden werden es teilweise auch deswegen, weil die Maschine... Also der Einsatz von modernen Maschinen einen solchen Druck auf Einkommen und Beschäftigung, auch männlicher Erwerbstätiger macht.

00:11:52: Dass viele Frauen eben erwerbsttätig sein müssen.

00:11:56: also das heißt es ist erforderlich dass Frauen eben zum Familieneinkommen beitragen und dass eben auch Männer arbeitslos sind insofern Familien dann der Lohnarbeit der Frauen leben.

00:12:11: Das heißt, sie betont sozusagen hier auch noch mal ausdrücklich dass dieses Argument der Konkurrenz ein großes Problem ist und das es wichtig aus dem Haushalt herausgenommen werden in die Gesellschaft.

00:12:28: Das ist für sie immer wieder wichtig, dass die Frauen jetzt gesellschaftlich aktiv sind und das sie eben nicht mehr sozusagen ihr Horizont auch ihr geistiger moralischer Horizont nicht mehr nur der Haushalt, die Familie, die Kinder und der Kochtopf sind wie Sie sagt.

00:12:45: also es reicht dann gerade bis zur Grenze des Kochtops, sondern dass sie eben Teil haben am Weltgeschehen.

00:12:53: Also Teil des Weltprozesses sind.

00:12:56: das ist für Zettgen ein wichtiger Gesichtspunkt.

00:13:00: Das bedeutet aber auch natürlich ganz andere Arten von Tätigkeiten.

00:13:05: im Haushalt waren die Frauen gewohnt eben für die Konsumgüter der Familie selber zu sorgen, also das heißt und Weben, Backen, Kochen

00:13:16: usw.,

00:13:17: diese Hausarbeitstätigkeiten waren vielseitig.

00:13:21: Und jetzt kommt es eben zu dieser Vereinseitigung des kapitalistischen Erwerbsbetriebs indem ihre Arbeitskraft reduziert wird.

00:13:31: und deswegen diese starke Stellung im Zusammenhang der Kämpfe mit den Männern, das gemeinsam zu machen.

00:13:39: In diesem Text wird es nicht so deutlich wie in anderen Texten finde ich aber es ist trotzdem ein ganz schöner Gedanke auf den sie dann später zu sprechen kommt wenn Sie sagt na ja eigentlich ist es auch so dass der Mann gewinnt.

00:13:53: also nämlich die Emanzipation der Frau Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, also wenn man so will die Teilhaber an der Weltgesellschaft eben auch bedeutet dass auch der Mann bereichert wird ja.

00:14:09: Also die Partner weil es eben ganz anderen Horizont der Gemeinsamkeit gibt.

00:14:14: Also ich finde, da lässt sie manchmal... also ich finde das positiv dass sie diesen Gesichtspunkt anspricht Sie lässt es ein bisschen weg was ist für die Frau auch bedeutet?

00:14:26: Also wenn man das nimmt was jemand wie er hat Lukas gezeigt hat also für die Angehörigen in der Arbeiterklasse den frühen zwanziger Jahren dass man sagen kann naja Frauen waren dann eben tatsächlich zu Hause und die Männer waren eben über große Strecken weg, bei Parteifersammlungen, Gewerkschaftsversammlung.

00:14:48: Und dass es nicht einfach nur reaktionär ist – das ist der Vorwurf von Zettkin, dass die Frauen sozusagen aufgrund dieser familiarisierten Lebensverhältnisse eben reaktIONär sind – aber man kann sagen, es ist gar nicht so einfach, dass es nur reakTIONär ist sondern es entspricht auch einer Realität dass eben diese Familien-Einkommenssituation nicht so richtig gut austariert war.

00:15:17: Das ist etwas, was sie beschäftigt also dieses Problem wie können eigentlich Familien und Lohnarbeit austariet werden?

00:15:26: Und immer wieder betont sich in ihren Texten unter kapitalistischen Bedingungen wird es nicht gelingen!

00:15:33: Es gibt diese Vereinbarkeit von Leben, Beruf Familie, das wird so nicht gelingen.

00:15:40: Sondern es braucht eigentlich andere Produktionsverhältnisse.

00:15:43: Das ist eigentlich etwas was sie immer wieder betont also gegen die auch bürgerliche Frauenbewegung aber auch gegen bestimmte Reformillusionen in der politarischen Frauenbelegungen das so nachtrücklich deutlich zu machen.

00:15:58: Also was wichtig ist entsteht durch den Kapitalismus, durch seine enorme Dynamik, Innovationskraft so etwas wie eine Frauenfrage und die Frauen werden jetzt in die Gesellschaft sozusagen hinein gezwungen.

00:16:14: Und sind sozusagen konfrontiert damit ja dass sie sich eben Emanzipiert verhalten müssen und auch die Männer jetzt damit leben müssen, dass sie mit emanzipierten Frauen zu tun haben.

00:16:27: Das betont Sie, dass Frauen zwar einerseits der Öde des Familienbelebens fliehen wollen aber manchmal auch gegen ihren eigenen Willen in diese Situation gebracht werden, das sie eigentlich durchaus andere Entscheidungen treffen würden.

00:16:42: Aber das ist ja ohnehin ein Problem wenn man so will.

00:16:46: Das spricht sich auch manchmal an diese Spannungsverhältnis zwischen der Rationalität, der Familie.

00:16:53: Also die Versorgung der Kinder und der Erziehung auf der einen Seite und dann eben diese Entwicklung der kapitalistischen Dynamik hin zu einer Weltwirtschaft also der Weltmarkt, der gar nicht zugänglich ist und nicht bestimmbar ist.

00:17:16: Die Frauen werden in die Menschheit verpflanzt?

00:17:20: So formuliert sie das.

00:17:21: und das bedeutet dass jetzt Zetkin, die Vorstellung hat ja die Frauen können eben auch sich beteiligen an den politischen Entscheidungen.

00:17:31: Und da ist sie sehr entschieden also auch sehr entschieden kritisch wenn dann immer wieder gesagt wird nein Frauen sind nicht reif dafür oder Frauen gehören in den Haushalt und an den Herd dass sie deutlich macht, naja das ist ja eigentlich eine völlig unlogische Haltung gegenüber Frauen.

00:17:50: Weil die Frauen ja ständig von allgemein belangen betroffen sind also Arbeitslosigkeit, Inflation könnte auch sagen von Erziehungsentscheidung wenn man an Schulen denkt.

00:18:03: Also da ist sie der Meinung Frauen müssen eben die vollen Rechte haben, sich politisch zu beteiligen.

00:18:09: Also das volle Wahlrecht was ja in Deutschland erst nach der Novemberrevolution dann wirklich gekommen ist wir reden jetzt über die Zeit noch unter dem Kaiserthum und dass sie eben entschieden der Meinung ist Frauen müssen dafür auch die Bereitschaft entwickeln, neugierig sein.

00:18:30: Also sich schulen lassen also allein die Erfahrungen im Haushalt oder auch die Erfahrung im Betrieb alleine reicht nicht sondern wichtig ist auch dass sie sich eben zusammen mit den Männern in einer sozialistischen Organisation organisieren um diesen Kampf gemeinsam zu führen.

00:18:48: Auch das finde ich interessant, dass in späteren Schriften Sie da ein bisschen Ja, ein bisschen nachdenklicher argumentiert.

00:18:56: Dass sie deutlich macht dass Frauen eben nicht gleich gemacht werden sollen also die Männer nicht das Modell für Lebensentwürfe oder die alltäglich lebensweise von Frauen sein können weil Frauen in ihrer Art eben anders denken, anders fühlen, anders leben.

00:19:15: ja es hat wenn man die Bezüge nimmt hat es viel auch damit zu tun Gebären auch geschützt werden müssen, also in dieser Hinsicht eben der Bezug auf die Kinder vorhanden ist und dass es eben darum geht eine eigene Form auch der Emanzipation von Frauen in den Blick zu nehmen.

00:19:41: In dieser Phase argumentiert sie wie gesagt diese Gemeinsamkeit des proletarischen Kampfes die politischen Rechte in Anspruch nehmen müssen, sich dafür schulen.

00:19:57: Ja also sich selbst schulen und insgesamt geht es ihr dann darum dass die Frauen eben auch ganz neue Perspektiven entwickeln hinsichtlich des Familienlebens.

00:20:09: Also für sie ist wichtig, dass die Frauen in den ersten Monaten geschützt sind während der Schwangerschaft und dann so lange die Kinder unmittelbar abhängig sind in der Stillphase immer mehr zu einer Frage der Gesellschaft wird.

00:20:28: Auch das ist ein Argument dagegen, dass Frauen Zuhause sein müssen wegen des Kindeswolls.

00:20:34: Da ist sie entschieden dagegen.

00:20:36: Sie sagt dieses Argument eigentlich völliger Blödsinn weil Ja, die Frauen wenn sie zu Hause bleiben gar nicht die Kompetenz haben Kinder zu erziehen.

00:20:49: Sie sagt immer wieder dass es eigentlich eine absurde Unterstellung ist ja das wir in einer fortgeschrittenen Gesellschaft die eben weltwirtschaft ist ja also letztlich Die Frauen in eine Situation bringen dadurch, in einer Zeit zu leben die hundert Jahre oder länger vorbei ist.

00:21:10: Also die Frauen in Eine Ungleichzeitigkeit zwingen.

00:21:14: und der Argument ist das In allen Bereichen ja die fortgeschrittenen Produktivkräfte dazu führen dass Ausgebildete Menschen diese Tätigkeiten ausüben.

00:21:27: Aus Ihrer Sicht bedeutet es, dass auch die Kinder entsprechend anders sozialisiert und gebildet werden müssen.

00:21:35: Also das heißt, was die Frauen sozusagen mitbringen an alltäglicher Qualifikationen und Bildung gar nicht ausreicht wenn sie nicht eben geschult werden sich qualifizieren an der Bildung teilnehmen.

00:21:51: Und das können Sie nicht in einer arbeitsteiligen Gesellschaft betrieblich arbeiten.

00:21:57: und deswegen das Argument von Zetkin, es braucht eben wenn man so will professionelle Kindererziehung also durch Schulen.

00:22:06: Ich finde dass sie das sehr schön deutlich macht plausibel ist.

00:22:10: Man könnte sagen dass es auch ein bisschen unkritisch ist ja also das relativ unproblematische Erwartungen an professionelle Kindererziehung hat und dabei den Gesichtspunkt, dass es sich um staatliche Erziehungen handelt erst mal gar nicht näher betrachtet.

00:22:26: Es gibt solche Erwägungen dann im Nebensetzen das sie sagt naja da sind letztlich Apparate wie Kirche und tatsächlich Schulen.

00:22:35: ja wo man sagen kann naja dort werden die Kinder auch auf eine bestimmte Weise dann sozialisiert.

00:22:41: jedenfalls ist es ihrer Meinung nach so Mutter als Erzieherin nur für die ersten Monate, für die Kinder von wirklicher Bedeutung ist und danach dann die schulische und gesamte Entwicklung der Kinder in die Hände von berufsmäßig ausgebildeten Erziehern gelegt werden muss.

00:23:07: Ich habe das schon angedeutet.

00:23:09: man kann sich natürlich fragen wie leistungsfähig sind diese professionellen Erziehrinnen?

00:23:22: Also was für Zetkin eben wichtig ist, dass die Frauen sich auf der Höhe der Zeit, also der kapitalistischen Produktion bewegen, sich entsprechend organisieren und entsprechend qualifizieren.

00:23:40: Diese Überlegung Ich habe es schon angedeutet, gehen dahin zu sagen das verändert auch insgesamt das Geschlechterverhältnis.

00:23:49: Also sie deutet das in anderen Schriften an dass es eben auch zu anderen Beziehungsmustern führt.

00:23:56: ja also die Beziehung werden nicht eingegangen unter dem Gesichtspunkt der Vernunftbeziehungen also des Vermögens oder des Einkommens der Männer sondern letztlich unter dem Gesichtspunkt gleichberechtigter, gut ausgebildeter Menschen die nach liebes Gesichtspunkten zusammenleben können oder sich auch trennen.

00:24:18: Sie hat eine klare Vorstellung dass Scheidungen in dieser Hinsicht auch gut sind also ein Akt der Emanzipation um sich eben genau nicht in diesen Abhängigkeitsverhältnissen weiter zu bewegen.

00:24:31: und immer wieder ja ausdrücklicher Punkt, viele der Probleme werden sich unter kapitalistischen Vorzeichen nicht lösen lassen.

00:24:41: Das ist wenn man so will wichtig.

00:24:43: dass sie an solchen Punkten auch deutlich macht Auch da geht es darum das proletarische und bürgerliche Frauenbewegung zusammenkommen um gemeinsam genau solche Verhältnisse zu beseitigen, unter denen sie abhängig sind von Männern oder Unterworfen ausgebeutet werden.

00:25:05: Und dass Sie da auch eine gewisse Arbeitsteilung sieht und den Eindruck hat proletarische Frauenbewegung stärker diese grundlegenden Verhältnisse verändern will.

00:25:18: Und wichtig ist, dass die bürgerliche Frauenbefähigung eben soziale Rechte, kulturelle Rechte das jetzt stark macht.

00:25:26: Da kriegt es plötzlich so den Gesichtspunkt der ja wenn man so will der Arbeitsteilungen, die aber letztlich auf ein gemeinsames Ziel hinwirkt und eben dabei auch durchaus Die Männer einbezieht auf der Ebene der Arbeiterklasse des Poletariats, während sie ausdrücklich betont.

00:25:46: In bürgerlichen Kreisen ist es nicht so zu erwarten aber in diesem einen Text, der sich auch an Studenten wendet und letztlich Studenten darauf aufmerksam macht wie wichtig die Emanzipation der Frauen ist also auch die Akademiker höhere Bildung von Frauen nicht als Schmutzkonkurrenz betrachten sollen macht sie auch deutlich, dass diese Art von Mittelklasse durchaus gewinnen kann.

00:26:14: Von diesen gesamtemanzipatorischen

00:26:16: Prozessen.".

00:26:24: In der gegenwärtigen Epoche tobt ein heftiger Kampf zwischen den Ideen der Alten und der Neuenzeit.

00:26:30: Besonders in moralischen Fragen steht die Frau meist noch auf der Seite des Alten – also von Vorstellungen, die aus einer Gesellschaft stammen, in der die patriarchalische Familie ihre Berechtigung hatte.

00:26:41: Dass sich die geistige Entwicklung der Menschheit nicht schneller vollzieht, liegt wohl auch daran dass ihre größere Hälfte so lange in ihrer Entwicklung zurückgehalten wurde.

00:26:50: Im Allgemeinen reicht das Denken der Frau oft nicht über die Familie hinaus.

00:26:55: Die Frauen müssen stärker in das allgemeine Leben einbezogen werden.

00:26:59: Das alte oft wiederholte Argument Der Fraufehle des Verständnis oder die Reife für das politische Leben gehört in die Vergangenheit.

00:27:08: Für politische Teilnahme braucht es vor allem gesunden Menschenverstand praktischen Sinn und ein klares Verständnis der eigenen Interessen sowie ihres Zusammenhangs mit dem Gemeinwohl.

00:27:19: Politische und wirtschaftliche Bildung kann die Frau nicht durch das bloße verweilen im Haus erwerben, sie entsteht durch Lernen, Erfahrung und Beobachtungen im Leben selbst – Fähigkeiten, die sich Frauen aufgrund ihrer großen Lernfähigkeit gut aneignen können!

00:27:34: Die neue soziale Stellung der Frau wird einen grundlegenden Wandel in ihre Auffassung von Pflichten.

00:27:41: Die Gesellschaft wird dann im Leben der Frau Dänplatz einnehmen, den das Haus heute usurpiert.

00:27:46: Die Allgemeinheit wird die Familie verdrängen.

00:27:55: Zum Gespräch über Clara Zettkin und die Schrift, die wir vorgestellt haben begrüße ich Christina Engelmann.

00:28:03: Hallo Christina Hey

00:28:04: Alex!

00:28:05: Dank für die Einladung.

00:28:06: Ja sehr schön.

00:28:07: ja Christina du arbeitest ja zu Clara Zetkin sehr ausführlich.

00:28:13: Du hast an einem DFG finanzierten Projektüberglager Zetkin mitgewirkt und hast dabei insbesondere die Schriften von ihr ab.

00:28:24: neunzehntinzebzehn.

00:28:25: Also wenn man so will, die nachsozialdemokratische Phase von Zetken bearbeitet also eine ganz andere Periode als die aus der der Text ist zur Arbeiter- und Frauenfrage von acht zu neunundachtzig.

00:28:40: Und in die Ergebnisse Dieser Studien sind eingeflossen in den von dir mit herausgegebenen Band Mattelistischer Feminismus.

00:28:51: Und dann auch eine sehr schöne Studie ist, finde ich sehr originell in dem Band über die Phase der kritischen Theorie also der Beitrag zu wenn man so will den Blindflecken im Geschlechterverhältnis der kritische Theorie, den ihr heraus gegeben habt im Schatten der Tradition Also diese so wenig wahrgenommenen Frauen im Kontext, vor allem die älteren kritischen Theorie.

00:29:19: Und da hast du beigetragen mit einem Text zu Clara Zittkin und Felix Weil was ich finde sehr überraschend ist aber auch wiederum nahe liegt weil ja beide auch entschieden für die Rätebewegung eingetreten sind.

00:29:35: also ich habe viel gelernt daraus eben dass Clara Zetkin schon auch eine begeisterte Vertreterin des rätedemokratischen Gedankens geworden ist.

00:29:46: Ja, genau!

00:29:47: Also eigentlich erklärt es sich ja schon fast ein bisschen von selbst.

00:29:51: du hast viel Clara Zettkin gelesen.

00:29:54: warum sollten wir das tun?

00:29:56: Tatsächlich ihre Arbeiten zum Rätesystem waren für mich auch sehr spannend.

00:30:00: da können wir gerne im Gespräch noch näher drauf eingehen vielleicht so Allgemeiner gefasst, wo du bestimmt auch schon in der Einleitung näher drauf eingegangen bist.

00:30:11: Zedkin war ja über einen sehr langen Zeitraum in der arbeiterinnenbewegung aktiv und dort dann an vielen Diskussionen über Fragen sozialistischer Theorie aber halt auch über Praxisarbeit beteiligt Und ich denke sehr viel davon ist eigentlich noch für unsere Gegenwart wichtig.

00:30:29: Ja heute wird sie ja vor allem Acht März, wieder so ein bisschen bekannter und auch für ihre Arbeit in der prototarischen Frauenbewegung.

00:30:39: Ich finde es spannend, dass sie diese Fragen dann auch mit Fragen der Bildung zusammengebracht hat.

00:30:46: Sich gegen Militarismus und Krieg eingesetzt hat, auch entschieden gegen den aufziehenden Faschismus in Europa gestellt.

00:30:53: Und ich glaube wichtig war Setkin aus ihrer Analyse kapitalistischer Gesellschaften heraus zu versuchen, diese verschiedenen Kämpfe miteinander zu verbinden.

00:31:04: Also etwa Angela Davis schreibt auch in einem Vorwort zu einer englischen Schriftenausgabe wie wichtig sie ihre theoretischen und praktischen Arbeiten findet, um den Zusammenhang

00:31:16: besser zu

00:31:17: verstehen.

00:31:18: Einerseits zwischen dem Kampf für den Sozialismus und Kämpfen für Frauenemanzipationen gegen Rassismus oder für Frieden.

00:31:26: Und ich würde Davis Eindruck auf jeden Fall teilen!

00:31:30: Und sehe bei Zeltkirn auch interessante Ansatzpunkte für eine materiistisch-feministische Gesellschaftsanalyse.

00:31:36: Deshalb sie auch mit den wesentlichen Teil in diesem Sammelband, den du schon in der Einleitung genannt hast darstellt und sie kritisiert ja die bürgerliche Frauenbewegung dafür...

00:31:50: Also ich würde da gerne nachfragen weil du stellst dir jetzt vor als jemand auch schon so intersectionelle Gesichtspunkte hat.

00:32:01: Ich finde, in dem Text den ich vorgestellt habe zur Arbeiter- und Frauenfrage macht sie ja eigentlich sowas wie eine... Also die Frauenfrage wird weltgeschichtlich überhaupt jetzt wichtig weil die Frauen aus der Familie in die Gesellschaft entlassen werden.

00:32:20: also es ist teilweise auch zwangsweise sich vollziehende Emanzipation.

00:32:25: Und dann argumentiert sie, dass Sie damit eben Arbeiterinnen werden an der Seite der Männer.

00:32:33: Ja also Teil der proletarischen Klassenbewegung und das eben das Gegenteil des Kapital geht.

00:32:39: eigentlich hat sich ja da so eine wenn man sowohl in bestimmte Art ich will gar nicht objektivistisch sagen Das klingt vielleicht ein bisschen zu kritisch weil es ist ja selber ein historischer Prozess die Frauen in eine veränderte Lage bringt, aber wo sie doch gar nicht so intersektional denkt.

00:32:59: Sondern eher so ne Einheit, eine neue Einheit einer um Frauen erweiterte Arbeiterklasse.

00:33:06: Ja genau, also in dieser frühen Arbeit beschäftigt sie sich erst mal damit wie die Stellung.

00:33:11: Die Frauen in der gesellschaftlichen Produktion und Reproduktion einnehmen entscheidend auch dafür ist welche sozialen und politischen Möglichkeiten hier offen stehen.

00:33:20: Und da arbeitet sie dann einerseits Potenziale heraus, die im Übergang von der feudalen zu einer kapitalistischen Gesellschaft mit Blick auf Frauenemanzipation entstanden sind zeigt aber auch gleichzeitig dass diese Potenziale dann unter Bedingungen kapitalistsischer der sich gar nicht verwirklicht werden können.

00:33:38: Weil, wie sie sagt die ökonomische Unabhängigkeit im privaten Bereich erkauft es durch die Unterwerfung unter die ökonomische Herrschaft des Kapitals.

00:33:47: Und um die Potenziale zu verwirklichen ist das wichtig gemeinsam mit Allenteilen der arbeiterinnen Bewegungen gegen die kapitalistische Herrschaff zu kämpfen weil ansonsten die Phänomene, die Sie ja dann auch in dem Text beschreibt und die glaube ich bis heute fortbestehen also eine Mehrfachbelastung von Frauen durch Lohn- und Rekroduktionsarbeit werden können.

00:34:09: Und dann sagt sie in anderen Texten zwar, dass sich natürlich immer wieder ein Teil von Frauen auch eine bessere Stellung erkämpfen können.

00:34:16: Das macht sie vor allem mit Blick halt auch in der Abgrenzung zu würgerlichen Frauenbewegungen.

00:34:20: Das muss aber immer auf Kosten anderer Teile der arbeiterinnenklasse gehen und da ist sie schon sehr früh – das ist in der Rede – auf einem internationalen Konkreis von Sozialistin.

00:34:31: Dass sie sich beispielsweise gegen Einwanderungsbeschränkung für migrantische Arbeiterinnen stellt, weil sie da auch da sagt.

00:34:39: Im Prinzip wird die Arbeiterin Klasse... gegeneinander ausgespielt.

00:34:44: Es führt zu Spaltungen von denjenigen Arbeiterinnen, die bereits organisiert sind und sich eine bessere Stellung erkämpfen konnte gegenüber denen, die am meisten unter dem System leiden.

00:34:53: Und in der Abgrenzung zur bürgerlichen Frauenbewegung ist es ja dann auch ZKM wichtig zu sagen wir müssen diese Gesellschaftsordnung selbst infrage stellen, die strukturell auf Ausbeutungs- und Ungleichheitsverhältnissen gründen.

00:35:06: Das bringt überhaupt nichts nur einen Teil der Arbeiterin-Klasse eine bessere Drellung, mehr Vorrechte zu erkämpfen.

00:35:16: Ja ich meine du hast es schon ein bisschen angesprochen dieser Gesichtspunkt den sie stark macht die Frauen kommen in diese kapitalistischen Lohnarbeitsverhältnisse und haben mit Problemen zu tun mit denen wir uns heute immer noch umschlagen also die Mehrfachbelastungen.

00:35:33: Ich finde auch sehr eindrücklich Bewertung der Arbeit von Frauen, also das was so als Pay Gap bezeichnet wird.

00:35:42: Dass man sagen kann da deutet sich schon alles an und wir reproduzieren diese Probleme.

00:35:48: Man könnte natürlich sich fragen ja immer wieder betont sie dass eigentlich die Lösung dafür nur Sozialismus ist?

00:35:57: Dass diese modernen Arbeitsverhältnisse die Frauen aus dem Haushalt ziehen und den Horizont erweitern, auch über den Kochtopf von die Familie hinaus.

00:36:08: Aber gleichzeitig ist es doch auch so dass man sagen muss Die Frauen stecken doch auch weiterhin ganz schön in diesen Ungleichzeitigkeiten.

00:36:18: oder anders gefragt Ist das eigentlich nicht eine problematische Modernisierungserwartung, die Zetkin hat an die Veränderungen kultureller Muster von Frauen.

00:36:32: Also einerseits gibt es natürlich sehr viele Frauen jetzt in der Frauenbewegung, in der Politik und so weiter also sehr viel Aktivismus und wahrscheinlich genauso viel oder mehr wie Männer keine Ahnung.

00:36:45: aber es gibt eben auch viele Frauen also jetzt insbesondere Ja, wie kann man sagen unter älteren Familienmitgliedern.

00:36:53: Ich gebe es zu ist ein bisschen spontane Statistik die dann sagen ach kommt ihr mit eurer Politik ich kann das nicht mehr hören.

00:37:01: ja also doch auch so eine gewisse Politik Distanz vonseiten der Frauen aber umgekehrt auch wenn wir an das neue Parlament Bundestag denken das hinaus drängen von Frauen aus der Politik, also wie schätzt du das ein?

00:37:16: Also eigentlich würde man doch denken Frauen müssten angesichts dieser Zumutung der Politik dass ständig über sie entschieden wird und sie so wenig mitentscheiden total wütend sein ja.

00:37:29: Und sehr viel mehr sich engagieren.

00:37:32: Ja ich glaube einerseits gibt es aktuell schon auch Studien die zeigt es gerade unter jungen Frauen flinterpersonen einen Bewusstsein dafür sich einstellt, dass ja alte traditionelle Rollenmuster überwunden werden sollten und das wichtig ist für freitere Lebensverhältnisse zu kämpfen.

00:37:54: Gibt

00:37:54: es auf jeden Fall so ein paar Jugendstudien die das nahe legen.

00:37:58: Andererseits war für Zetkin aber auch eine entscheidende Einsicht, dass das nicht automatisch sich einsteht.

00:38:04: also mit dem Übergang von der Wirkstätte in der Familie, in die Fabrik heißt es noch lange nicht.

00:38:13: Dass sich Frauen dann auch vermehrt organisieren sondern das ist ein Prozess der ja durch die organisierten Frauen wie Clara Z. Keen mit gefördert werden sollte.

00:38:23: und sie hat tatsächlich auch einige neue Methoden, der sozialistischen Frauenarbeit eingeführt beispielsweise die sogenannte Werkstubenagitation bei den organisierte Arbeiterinnen in die Werkstätten also so den Einzelhaus halt die Küchen gegangen sind und da über die Alltagsprobleme gesprochen haben um die nicht als einzelne Erfahrungen dargestellt haben, sondern als etwas was mit gesellschaftlichen Problemen zusammenhängt und die wir nur angehen können wenn wir uns auch organisieren gewerkschaftlich politisch.

00:38:53: Sie hat eigene Frauen

00:38:55: Wenn ich das nur ganz kurz sagen darf, ich finde das eine tolle Überlegung von ihr.

00:39:00: Dass sie sagt diese Werkstubenagitation soll die Frauen auch befähigen selbst zu sprechen und selbst öffentlich zu sprechen also tatsächlich die Stimme zu erheben Das finde ich so ne... ganz schöne Vorstellung.

00:39:14: Ja, dasselbe hat sie ja dann auch in den Frauenbildungsvereinen bei den Lese- und Diskussionsabenden versucht also ein kritisches Nachdenken über die eigenen Erfahrungen und den Zusammenhang mit strukturellen Krisen herzustellen.

00:39:29: das war auf jeden Fall immer wichtig und sie hatte auch betont dass man ausgehen muss von dem, was die Frauen mitbringen und sieht dann auch gerade in den neunzehnundertzwanziger Jahren das revolutionäre Tendenzen innerhalb der Gesellschaft nach Novemberrevolution dazu führen.

00:39:45: Dass Frauen dann vermehrt auch über sexuelle Fragen über das Eheleben sprechen weil sie sehen auf einmal Probleme Leid auch wahrnehmen, das vorher nicht sichtbar war.

00:39:54: Und Sie sagt diese Räume können eine Art von Neuorientierung schaffen Weil wir jetzt auf andere Verhältnisse hinwirken müssen.

00:40:02: Da sollten Frauen auch zentral beteiligt sein.

00:40:05: Du hast ja den Beitrag in dem Sammelband im Schatten der Tradition genannt, da gehe ich auf ihren Aufsatz die Frauen für die Räte, die Frauen in die Rähte ein.

00:40:15: und da ist ihr zentraler Punkt dass wir wirklich eine sozialistische Demokratie nur haben wenn alle Mitglieder der Gesellschaft daran verteiligt sind den verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen dann auch die neue Gesellschaft

00:40:33: aufbauen können.

00:40:34: Ja, du hast jetzt schon das angesprochen und das hätte mich jetzt auch interessiert dieser Gesichtspunkt der sexuellen Erfahrung also des Verhältnisses anzusprechen.

00:40:44: Das ist ja krachtristig für die neue autonome Frauenbewegung seit den sechzehr Jahren als neues Verhältnis zum eigenen Körper Ja, our body ourselves.

00:40:56: Also dieser Zugang ja auch zur Sexualität darüber zu sprechen und die Diversität auch dann zunehmend – jetzt natürlich in den letzten zwanzig Jahren – die Frage der Gewaltverhältnisse in den Beziehungen, also dass wir einfach so viel mehr wissen darüber, die Gewalterfahrung, die viele Frauen machen müssen, ja?

00:41:19: In dem Beziehung... Also dass es eben da auch offensichtlich so ist, das das streut.

00:41:25: Also statistisch irgendwie gleichmäßig verteilt zu sein scheint.

00:41:29: ja und was ist dein Eindruck?

00:41:32: Wie würde ZGIN mit einer solchen Frage umgehen?

00:41:36: also spielt es für Sie eine Rolle also wenn sie jetzt an diese Punkte kommt in den zwanziger Jahren

00:41:43: Ja, also ich würde ja auf jeden Fall vorkommen zustimmen dass jetzt gerade analysenfeministische zu Gewaltverhältnissen im Aufmarsch sind und wir haben da auch in unserem AKGender Kingship Sexuality am IFS einige Forscherinnen die genau das untersuchen.

00:41:59: Und auch die strukturellen Momente von Gewalt würde einerseits sagen, dass natürlich die neue autonome Frauenbewegung solche Fragen von häuslicher Gewalt, Sexualität noch mal auf eine ganz andere Weise auf die Tagesordnung gesetzt haben.

00:42:15: Aber ich denke auch, dass sich in der politarischen Frauenbewägung und bei Zettkin schon interessante Ansätze finden.

00:42:21: mit Blick auf Körperlichkeit, Sexualitet würde ich tatsächlich sagen das Alexandra Kolontei, die du ja auch schon besprochen hast im Podcast vermutlich für heutige feministische oder queerfeministische Diskussion zu begehren, zu weisen und Sexualität die interessantere Protagonistin ist.

00:42:39: Weil sie ja noch sehr viel deutlicher über die Kontrolle weiblicher Körper und Sexualitäten auch gesprochen hat wie das mit einer Komodifizierung im Kapitalismus zusammenhängt und auch eine Absicherung patriarchaler Geschlechterverhältnisse und dass dann im Übergang zu einer nicht mehr kapitalistisch organisierten Gesellschaft überhaupt als Sexualität befreit werden kann wenn die ökonomischen Abhängigkeiten weg sind.

00:43:03: Aber Zetkin sieht auch ganz viel von dem, was die neue Frauenbewegung thematisiert hat also dass wir autonome Räume für Frauen brauchen um sich über die Erfahrung auszutauschen.

00:43:17: Eine Politisierung des Alltags.

00:43:19: Ja

00:43:20: vielleicht ja vielleicht weil du das ansprichst eigene Räime dafür zu haben ich finde beeindruckend eben unter muslimischen Frauen beobachtet, also als sie dann zum Kuraufenthalt in Baku ist und dort berichtet über diese Situation.

00:43:40: Da geht es ja genau darum dass die Frauen brechen mit ihren Familien, mit ihren Partnern weil sie eben genau dieser Gewalt ausgesetzt sind den sexuellen Übergriffen.

00:43:51: aber interessanterweise oder ich weiß nicht das wäre jetzt meine Frage Übernimmt sie diesen Gesichtspunkt dann auch für weitere Analysen oder bleibt das dann erst mal nur eine Beobachtung?

00:44:06: Für eben die Situation dieser selbst, ja letztlich selbst organisierten Zusammenhänge also unter Vorzeichen der politischen Entwicklung in der Sowjetunion.

00:44:18: Dass Frauen sich zusammentun und die Gelegenheit haben sich in dieser Weise zu diskutieren, zu treffen über diese Probleme zu unterhalten.

00:44:27: Ja also in gewisser Weise knüpft ihr die Beobachtung, die sie mit Blick auf den Kaukesus macht an der Erfahrung, die Sie schon in diesen Frauen- und Leserabenden machen konnte, wo rauf ich Freund eingegangen bin... unter Bedingungen revolutionärer Situationen.

00:44:47: Dazu kommt, dass neue Ansätze von Beziehung entstehen können und es da wichtig ist zu schauen die Verwobenheit herauszustellen mit der bestehenden Eigentumsordnung wie also der Wandel dieser Eigentum Ordnung dann auch mit anderen Familien- und Beziehungsformen hergehen.

00:45:05: Und ich glaube im befreiten Kaukasus das ist der Reisebericht nach den ZKN und in den Frauen jenseits von patriarchalen Verwandtschaftsbeziehungen, die dort dominiert haben zusammenleben können.

00:45:36: Und das ist bei ihr tatsächlich ... gar nicht so sehr dann an politischer Agitation gebunden, dass diese Frauen andere Rollenmuster erlernen können.

00:45:45: Also es ist nicht so das sie sagt okay hier kommen die westlichen Frauen und zeigen euch wie eine befreite Sexualität aussieht sondern diese muslimischen Frauenclubs sind so aufgebaut, dass es ein breites Angebot an Bildungs- und kulturellen Möglichkeiten gibt, die viel auch beispielsweise mit Musik und Malen zu tun haben und aus also zumindest in Zetkin Sicht Frau und Clubs beobachtet dazu führt, dass eine andere Sinnlichkeit erfahrbar ist.

00:46:09: Die sehr weit über die hergebrachten Geschlechterholen, die sitzlichen Vorstellungen, die eigentlich dominieren in der Zeit hinausweisen und die für ZKIN auch wichtig sind wenn wir die bestehende Gesellschaftsordnung selbst revolutionieren wollen.

00:46:24: Und das nimmt sie schon noch mit?

00:46:26: Ja ich finde... Das ist doch eine Frage zur Entwicklung von Zettkeln, weil sie solche Überlegungen ja in den früheren Jahrzehnten eher so ein bisschen... ironisch behandelt hat.

00:46:39: Das ist eben bürgerliche Frauenbewegung, dass sie eben letztlich diese Art von Literatur, von Kunst und Sensibilität, also wenn man so will eine neue Sensibilität eher so ein bisschen abgewährt hat ja?

00:46:54: Und eigentlich kann man sagen in diesen, naja geschätzt ungefähr um über die wir da sprechen in ihrer Entwicklung, dass sie da auch die Perspektive verändert hat.

00:47:09: Also das wäre ein Gesichtspunkt der mich interessieren würde.

00:47:12: ich will das gleich mit dem zweiten Gesichtspunkt verbinden nämlich In einem der Texte spricht Sie davon dass es darum geht in der Kritik an der Frauenbewegung, also der bürgerlichen Frauenbewägung auf der einen Seite und den Männern auf der anderen Seite.

00:47:31: Also nur weib zu sein oder nur Mensch.

00:47:36: Nur Mensch das ist dann die bürgernische Frauenbewege.

00:47:40: Alles sind gleich und sie betont eben die Differenziertheit.

00:47:44: Und jetzt argumentiert sie für weibliche Vollmenschen Und ich frag mich, das ist ja ohnehin ein bisschen ein merkwürdiges Wort.

00:47:56: Also was eigentlich so leicht über die Lippen geht?

00:47:59: Aber weiblicher Vollmensch oder männlicher Vollmensch ist es nicht auch eine Identität, die wir angesichts vieler Diskussion und die wir über Geschlechterverhältnisse und Individuen haben individuelle Bedürfnisse dass wir diese Vorstellung nicht teilen würden.

00:48:22: Das ist ja so die Frage, die du angesprochen hast.

00:48:25: also wohin führt sozusagen dieses Verhältnis zu sich, künstlerisch gebildet und so weiterzusehen?

00:48:35: Also macht es Sinn für dich?

00:48:36: Ja ich versuche Zetkin immer wohlwollend zu lesen, klar sie ist auch schon.

00:48:40: da sie so lange in der arbeiterinnenbewegung aktiv war, ist sie dann in den neunzehntzwanziger Jahren schon sehr alt.

00:48:48: Und ich glaube die Erfahrung deinem Kaukasus da orientiert sich natürlich auch an den jüngeren Aktivisten dann in der Jung-Soviet Union und sieht okay, da gibt es emanzipierte Versuch, emanzepierte Geschlechterverhältnisse einzuführen wie sie das von sich und ihrem Umfeld sonst nicht kannte.

00:49:05: Von daher glaube ich hat er schon was bei ihr bewegt.

00:49:08: Und gleichzeitig lese ich die Rede vom Vollmenschen Der Begriff der erst mal irritiert so, dass egal welches Geschlecht ein Mensch hat möglichst viele unterschiedliche Aktivitätsformen dann auch eröffnet werden sollten gesellschaftlich.

00:49:28: um die Potenziale, die Talente, die diese Person hat, empfalten zu können.

00:49:33: Und das ist ja auch ihre Kritik am bürgerlichen Bildungssystem, dass in einer kapitalistischen Gesellschaft das überhaupt gar nicht das Ziel ist – zumindest für den weitesten Teil der Werktätigen, die für den kapitalisten Markt diszipliniert werden sollen….

00:49:50: Und Zetkin sagt schon, in der Familie ist das wichtig von klein auf.

00:49:55: Also eine Absehung vom Geschlecht die unterschiedlichen Möglichkeiten wie man sich betätigen kann zu eröffnen damit es nicht zunahm wie sie schreibt Vorteil beispielsweise gegenüber weiblichen Aktivitäten kommt.

00:50:10: Und für uns ist es natürlich irritierend, diese starke Sprache in Differenzen.

00:50:15: Ich würde aber davon ausgehen gerade bei Clara Zetkin auch eine derjenigen ist die immer von Arbeiterinnen spricht schon Ende des neunzehnten Jahrhunderts dass sie da sehr offen wäre auch für heutige kreifeministische Analysen die noch mal viel weiter als Sie über den Denken in natürlichen Anlagen hinaus

00:50:32: gehen Was ja ein wichtiger Aspekt in den Speltenschriften von Zetkin ist, sie hat immer wieder diese Andeutung.

00:50:40: Also ihr Ansatz ist oft sowieso sehr historisch geprägt.

00:50:45: und dann gibt es dieses bemerkenswerte kleine Buch eine Monographie zur Geschichte der Frauenbewegungen und der verschiedenen Strömungen.

00:50:56: Ich finde das ist eigentlich ne wunderbare Art der frühen Erinnerungsarbeit an die Geschichte der Frauenbewegung.

00:51:04: Wie schätzt du dieses Buch ein?

00:51:06: Ja, das teile ich auf jeden Fall.

00:51:08: Und schön, dass Du es ansprichst!

00:51:09: Weil ich glaube auch gerade... Sie hat hier sehr wenige Monographien neben dem Buch im Freiten Kauker-Sos, wo wir schon drüber gesprochen haben eigentlich nur die Geschichte der politarischen Frauen bewegen.

00:51:19: Also hier stehen es sehr wichtig zu sein, die Geschichte von vielen Protagonisten zu erzählen, die in der gängigen Geschichtsschreibung nicht vorkommen aber eine ganz wichtige Praxisarbeit für die Bewegungen geleistet haben und denen sie auch gar nicht erfolgreich hätte sein können.

00:51:35: Und es gibt verschiedene Stellen, in denen ZKIN über die unscheinbare Arbeit des Alltags spricht, die so wichtig für sozialistische Politik ist und die sich auch viel wertvoller einschätzt als große Reden von einem bereits politisch geschulten Publikum weil sie sagt nur durch solche zivilgesellschaftliche Arbeit vor Ort können wir eigentlich die Menschen erreichen mit denen wir

00:51:57: eine

00:51:58: neue sozialistischen Gesellschaft aufbauen wollen.

00:52:01: Christina, vielen Dank für das wirklich erhellende Gespräch mit deinen vielen Kenntnissen zu Clara Zetkin.

00:52:10: Wie könnte man sagen also für uns alle die bestmögliche individuelle und differenzierte Entwicklung?

00:52:18: So würde ich das jetzt nehmen was wir am Schluss besprochen haben.

00:52:23: Dafür brauchen wir tatsächlich andere Lebensverhältnisse, andere gesellschaftliche Bedingungen.

00:52:30: Auch das ist glaube ich weiterhin eine gültige Feststellung von Clara Zetkin.

00:52:34: Vielen Dank!

00:52:35: Danke dir Alex.

Über diesen Podcast

Der Theoriepodcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Too long, didn’t read – so geht es einigen beim Anblick der Klassiker linker Theorie. Die über zweitausend Seiten langen Gefängnishefte von Antonio Gramsci, die komplizierten Schinken von Marx oder Edward Said – wenn ihr keine Zeit habt, die Bücher alleine durchzuackern oder eine Einführung sucht, dann hört euch den Theoriepodcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung an.

Durch den Podcast führt Alex Demirović. Der Professor für Politikwissenschaft an der Uni Frankfurt ist Vertreter der kritischen Theorie und Kenner sämtlicher linker Standardwerke. In jeder Folge stellt Alex Demirović Schlüsselwerke der linken Theorie vor. Es werden die zentralen Thesen der Werke und ihre heutige Relevanz diskutiert. Die Spannbreite liegt dabei vom klassischen Marxismus, Kritischer Theorie, Feminismus, antikoloniale Theorie, Poststrukturalismus bis hin zu Hegemonietheorie und Existenzialismus.

Prof. Alex Demirović gibt euch in kurzen Vorträgen eine Einführung in die Biografie der Theoretiker*innen und fasst die zentralen Thesen zusammen. Anschließend diskutiert Alex Demirović in jeder Folge mit einem Gast über das Werk und seine Relevanz für aktuelle politische Kämpfe.

Kontakt, Kritik, Feedback: theoriepodcast@rosalux.org

von und mit Alex Demirović

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